29 November 2007
Wir Deutschen machen Indonesien platt!
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Asien .
Jedes Jahr werden im indonesischen Torfland 1,8 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt, immerhin 4% des weltweiten Gesamtausstoßes auf 0,1% der weltweiten Landfläche.
Und das nicht etwa, um den Menschen dort lebenswichtiges Ackerland zu beschaffen, sondern weil die westlichen Industrieländer, insbesondere auch Deutschland, nicht auf ihr billiges Palmöl verzichten wollen.
Dieses ist einer der häufigsten Bestandteile von Lebensmitteln und Kosmetika. Es ist in Margarine und Schokoladensnacks enthalten oder in Seifen. Die großen Konzerne, allen voran Unilever, Nestle und Procter und Gamble verbrauchen einen großen Teil des weltweit produzierten Palmöls. Vorwiegend stammt dies aus Indonesien und Malaysia.
Unterstützt wird dieser Trend noch durch die Pläne der Bundesregierung, Biokraftstoffe, allen voran das billige Palmöl, den fossilen Treibstoffen zuzusetzen um deren Verbrauch zu senken. Ein prinzipiell löblicher aber in diesem Fall wenig durchdachter Ansatz.
Die Abholzung der indonesischen Wälder ist nämlich gleich doppelt fatal. Die vernichteten Bäume können zukünftig kein CO2 mehr binden und die Torfböden auf denen sie stehen, trocken durch die Abholzung aus und setzen gigantische Mengen zuvor gespeichertes CO2 frei.
Das Torfgebiet in Riau hat nur in etwa die Große der Schweiz oder Taiwans. Der Boden dieses relativ kleinen Gebietes hält aber eine CO2 Menge gebunden, die dem weltweiten Ausstoß von über einem Jahr entspricht.
Durch Abholzung und Anlage von Palmölplantagen wird dieses in den letzten 10.000 Jahren gebundene CO2 innerhalb kürzester Zeit frei.
Die Infos stammen übrigens aus dem von Greenpeace veröffentlichten Report “How the Palm Oil Industry ist Cooking the Climate”. Eine deutsche Zusammenfassung des Berichtes findet sich hier:
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd…
Gerhard Zirkel
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4 Kommentare bis jetzt...
Manfred Trogemann schrieb:
15 Dezember 2007 at 21:05.
Sehr geehrter Herr Zirkel.
Ich denke, dass die von Ihnen gewählte Überschrift nicht der Realität entspricht.
Nicht die Deutschen machen Indonesien platt, sondern der indonesische Staat selbst.
Es ist richtig, dass der “Kahlschlag” verheerende Auswirkungen für diese Land haben wird, nicht nur wegen der CO2-Freisetzung, sondern hauptsächlich wegen des Verlustes der Urwälder mit deren Flora und Fauna. Es ist ebenso richtig, auf die Fehlentwicklung hinsichtlich Biokraftstoffe hinzuweisen, doch auch hier ist nicht die nur die Bundesregierung treibende Kraft, sondern die zukünftigen Absatzmärkte wie Indien und China mit ihrem unstillbaren “Durst” nach Motorkraftstoffen.
Von staatlicher Umsicht ist in Indonesien nicht viel bis nichts zu erwarten, denn die bestehenden und zukünftigen Ölplantagen sind und bleiben fest in den Händen privater Unternehmen mit ausländischer Beteiligung, un die verhalten sich so wie die in der übrigen Welt.
Es ist leider wahr, dass westliche (deutsche) Ingenieurunternehmen bereits in den 80-/90-er Jahren im großem Maßstab ihr Know-how in dieses Land exportiert haben und dazu beigetragen haben, dass die ölverarbeitenden Anlagenvon Jahr zu Jahr immer größere Durchsatzleistungen möglich machten; was dazu führte, die Palmölplantagen zu vergrößern.
Eine ähnliche Entwicklung hat Malaysia durchgemacht, doch dort hat der schon vor Jahren ein positiver Trend in Richtung Wiederaufforstung und planvolle Erhaltung der Regenwälder eingesetzt. Im Hintergrund stand die Überlegung, mit den Regenwäldern zukünftig den Tourismus noch attraktiver zu machen.
Die Entwicklung der Weltmärkte dazu beigetragen, dass der Trend zu immer größeren Exportmengen an Halb- und Fertigprodukten aus dem Palmöl weiter zunimmt und die Ausbeutung an Resourcen nicht zu stoppen ist. Der weltweite Bedarf an Seifen, Waschmitteln und Kosmetika – um nur einen Bruchteil davon zu nennen – nimmt mit steigender Weltbevölkerung (und Wohlstand) zu, floglich auch der Bedarf an Palmölen.
Es macht meiner Meinung wenig Sinn, diesen Staaten von außerhalb der Region, die Nachteiel ihres rücksichtslosen Handelns an Hand statistischer Zahlen, zum Beispiel -zig Milliarden Tonnen CO2 vor Augen zu führen, denn solange es den Menschen dort wirtschaftlich gut geht und die drohenden Nachteile nicht spürbar und sichtbar sind, werden sie nichts ändern wollen.
Dabei spielt die Feudalherrschaft des Staates und Geldgier der Großplantagenbesitzer eine wesentliche Rolle, einer unseren Vorstellungen entsprechende ökologische Anpassung an die “Umwelt” vorerst nicht zuzustimmen oder irgend etwas zu ändern, was ihren Reichtum schmälern könnte.
Indonesien und Malaysia werden werden auf jeden Fall ihre zukünftigen Probleme selbst lösen müssen.
Leider wird auch die Weltklima-Konferenz auf Bali ausgehen wie das “Hornberger Schießen”.
Mit freundlichen Grüßen,
Manfred Trogemann
Gerhard Zirkel schrieb:
18 Dezember 2007 at 09:16.
Hallo Herr Trogemann,
die gewählte Überschrift war in der Tat ziemlich einseitig gewählt. Das hatte allerdings seinen Grund. Kurz bevor ich den Beitrag verfasst habe, hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten, der ganz erstaunt war, dass Palmöl auch in Deutschland in so großen Mengen verbraucht wird. Von den Plänen der Bundesregierung, den Sprit mit Palmöl zu “strecken” wusste er noch gar nichts.
Die Zusammenhänge zwischen Waldzerstörung in Indonesien und unserem Konsumverhalten sind vermutlich noch eingen Menschen nicht klar. Mit dieser reisserischen Überschrift erhoffte ich mir, zumindest ein paar Leser zusätzlich auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Gerhard Zirkel
Manfred Trogemann schrieb:
18 Dezember 2007 at 11:07.
Hallo, Herr Zirkel.
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Dass man Sprit – gemeint ist sicher Dieselöl – mit Palmöl strecken kann, und die Bundesregierung so etwas plant, ist auch mir neu. Ich werde mich darum kümmern, denn solange nicht klar ist, um welches Palmöl, d.h. Palmöl aus dem Fleisch der Ölfrucht (Crude Palmöl) oder aus dem Kern (Palmkernöl) benutzt werden soll und die Verarbeitungstechnologien nicht bekannt sind, sollte man der Meldung nicht allzu große Bedeutung beimessen.
Ansonsten bin Ihrer Meinung, dass manche Themen reißerisch aufgemacht werden sollten, um Aufmerksamkeit erzielen zu können, oder einfach gesagt: “Man muß übertreiben, um sich verständlich zu machen.”
Nochmal vielen Dank und schöne Feiertage.
Manfred Trogemann
Gerhard Zirkel schrieb:
18 Dezember 2007 at 11:17.
Mehr Infos zum Thema Palmöl als “Biosprit” gibt es hier: http://www.pro-regenwald.de/index2.php?p=ua20temp.php
Gerhard Zirkel