9 Januar 2008
Palmölkraftwerk als Ökostromlieferant angepriesen!
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Deutschland .
Gerade eben erhalte ich folgende Meldung:
http://www.bkz-online.d…337426&storytopic=9
In Großerlach ging soeben ein brandneues Blockheizkraftwerk in Betrieb. So weit nichts Weltbewegendes.
Etwas zweifelhaft dürfte aber das Bestreben der Betreiber sein, dieses unter Anderem mit Palmöl betriebene Kraftwerk als ÖKO-Kraftwerk anzupreisen.
In der Meldung wird zwar noch am Rande darauf hingewiesen, dass Pflanzenöle nicht ganz unumstritten sind, da für deren Plantagen gewaltige Flächen Regenwald abgeholzt werden und tausende Tonnen Pestizide versprüht werden.
Aber das wird sofort heruntergespielt (Zitat aus dem Artikel):
„Wir haben uns sehr eingehend mit dieser Thematik beschäftigt“, versichert Wolfgang Sartorius. Schließlich habe man sich für Palmöl aus zertifizierten Betrieben entschieden, weil dieses Öl derzeit am sozial verträglichsten und ökologisch nachhaltigsten hergestellt würde. „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit Pflanzenöl einen ganz wesentlichen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung und zur Verminderung der CO2-Emissionen leisten.“
Da stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien sind diese Betriebe zertifiziert und auf welchen Flächen wird das Palmöl produziert wenn nicht auf gerodeten Waldflächen?
Wie wird die CO2-Neuträliät begründet wenn man doch längst weis, dass das Abholzen von Regenwald gewaltige Mengen CO2 produziert. Vermutlich mehr als man mit einem solchen Kraftwerk jemals einsparen kann.
Weiteres Zitat:
„Respekt und Anerkennung“ für das Projekt, dessen Botschaft die Verantwortung für Umwelt und Natur sei, sprach Landrat Fuchs der Erlacher Höhe aus. Das BHKW beweise, dass sich Ökologie und Ökonomie nicht ausschließen….”
Respekt vor was? Vor den natürlichen Ressourcen unserer Erde vermutlich nicht. Vor den Bewohnern des Waldes der für die Plantagen abgeholzt wird wohl auch nicht. Vor den Menschen die an den Folgen des massiven Chemikalieneinsatzes auf den Plantagen leiden auch nicht.
Das Kraftwerk und die Meldung sind meiner Meinung nach nur ein weiteres Beispiel wie man im Zeichen der gerade modernen CO2- Neutralität seine wirtschaftlichen Interessen als ökologisch verträglich verkaufen kann.
Um auch die Betreiber darauf aufmerksam zu machen, dass solche Aktionen nicht unbemerkt bleiben, werde ich einen Brief mit folgendem Inhalt an den Großerlacher Bürgermeister Christoph Jäger und den Landrat Johannes Fuchs senden.
Die Antworten darauf, sofern den welche kommen, werde ich ebenfalls hier veröffentlichen.
Der Brief:
Sehr geehrter Herr Jäger, Sehr geehrter Herr Fuchs,
soeben erfahre ich aus einer Meldung auf www.bkz-online.de von der Inbetriebnahme Ihres mit Pflanzenöl betriebenen Blockheizkraftwerkes (BHKW) auf der Erlacher Höhe. Dieses Kraftwerk wird von Ihnen als Lieferant für Öko-Strom angepriesen.
Ich beschäftige mich schon seit einiger Zeit mit der Problematik der Regenwaldabholzung zugunsten von Palmölplantagen. Von daher kann ich absolut nicht nachvollziehen, wie man ein u.A. mit Palmöl betriebenes Kraftwerk als ökologisch verträglich darstellen kann.
Alleine auf der indonesischen Insel Sumatra werden derzeit pro Stunde ca. 300 Fußballfelder Wald abgeholzt um Palmölplantagen anzulegen. Die Bevölkerung dieser Gebiete wird teilweise mit Gewalt umgesiedelt.
2,6 Milliarden Tonnen CO2 setzt Indonesien damit pro Jahr frei. Das ist mehr als Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen und macht das Land zum drittgrößten Erzeuger von Treibhausgasen weltweit.
In anderen Palmöl produzierenden Ländern ist die Lage ähnlich dramatisch.
Vielleicht können Sie mir kurz erörtern, wie Sie sicherstellen, dass das von Ihnen verwendete Palmöl nicht für diese Zerstörungen verantwortlich ist.
Ein Bericht und dieser Brief wurden im Internet unter www.waldblog.de veröffentlicht. Hier werde ich auch Ihre Antwort(en) veröffentlichen, wenn Sie nichts dagegen haben.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Zirkel
Da die Stromanbieter offenbar keinerlei Interesse daran haben, ihre Produktion halbwegs sinnvoll aufzustellen, hilft nur noch konsequentes Strom sparen.
Stichwörter: Abholzung, Blockheizkraftwerk, Deutschland, Großerlach, indonesien, palmöl, regenwald, treibhausgase, zerstörung
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8 Kommentare bis jetzt...
Werner Baier schrieb:
9 Januar 2008 at 21:22.
Sehr geehrter Herr Zirkel,
und nun auch noch das. In der Nachbargemeinde Mainhardt hat jemand ein Blockheizkraftwerk auf seinem Gärtnerei Gelände installiert. Wir im angrenzenden Neubaugebiet müssen den Krach des Motors und den Pommesgeruch ertragen. Welche Paragraphen können uns helfen? Den Ökowahnsinn kann ich nicht akzeptieren, weder im Geruch, Lärm oder sonstigem.
Please help me
Werner Baier
Werner Baier schrieb:
9 Januar 2008 at 21:29.
no
Gerhard Zirkel schrieb:
9 Januar 2008 at 21:51.
Hallo Herr Baier,
ich fürchte fast, so lange sich der Lärm unter den gesetzlich festgesetzten Grenzwerten bewegt wird es schwierig, rechtlich dagegen vorzugehen. Aber das kann allenfalls ein Anwalt vor Ort klären.
In solchen Fällen hilft es oft, sich mit möglichst vielen Betroffenen zusammenzutun und gemeinsam dagegen zu protestieren. Eventuell lässt sich ja auch die lokale Presse darauf ein.
Was sagt denn der Betreiber zu dem Thema?
Gerhard Zirkel
Werner Baier schrieb:
10 Januar 2008 at 08:06.
Hallo Herr Zirkel,
wir haben uns in einer Unterschriftenaktion an die Gemeinde und das Baurechtsamt gewandt. Anscheinend wurde die Anlage so nicht genehmigt denn seit einem Ortstermin steht der Motor und wir können die frische Luft und die Ruhe geniesen. Ich habe nur die Befürchtung dass sich das Amt auf einen “faulen” Kompromiss einlässt und ich mir die Kosten für ein teueres Rechtsverfahren und diverse Gutachten leider nicht leisten kann. Die ist der Grund warum ich mich vorab mit den möglichen Rechtsmitteln beschäftigen will.
Der Betreiber ist nicht einsichtig. Aber wer ist das schon, wenn er sich von solch einem Ökounfug überzeugt wurde. Glauben Sie ein Fahrer eines Bugatti denkt an den Schadstoffausstoß seines Fahrzeuges ?
Werner Baier
Gerhard Zirkel schrieb:
10 Januar 2008 at 08:36.
Irgendeinen Kompromiss wird es sicherlich geben. Solch ein Kraftwert kostet eine Menge Geld und niemand wird es einfach wieder abbauen. Dass der Betreiber da nicht einsichtig ist, lässt sich zumindest nachvollziehen.
Aber möglicherweise lässt sich zumindest eine Schalldämmung nachrüsten. Auch Geruchsbelästigungen lassen sich oftmals durch einen höheren Kamin verringern.
Gerhard Zirkel
BM Christoph Jäger schrieb:
11 Januar 2008 at 10:31.
Sehr geehrter Herr Zirkel,
zunächst möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Sie bei korrekter Recherche sehr leicht hätten feststellen können, dass nicht die Gemeinde Großerlach Erbauer und Betreiber des nun in Betrieb genommenen Kraftwerks ist, sondern die Diakonische Einrichtung Erlacher Höhe (www.erlacher-hoehe.de).
Ihr Anschreiben werde ich gerne an die Leitung der Erlacher Höhe, Herrn Wolfgang Sartorius, weiterleiten. Sicher werden Sie von dort zu Ihrer durchaus verständlichen Besorgnis eine Antwort erhalten. Vorab füge ich einen Auszug aus der entsprechenden Pressemitteilung der Erlacher Höhe bei, der auf das – auch nach meinem Dafürhalten tatsächlich heikle – Thema der Verwendung von Palmöl eingeht:
“Dass der genutzte Energieträger Pflanzenöl nicht unumstritten ist, ist den Verantwortlichen bei der Erlacher Höhe klar. Umso wichtiger ist es ihnen darauf hinzuweisen, wo und unter welchen Bedingungen der genutzte Energieträger erzeugt wird. „Wichtig ist die nachhaltige Gewinnung von Palmöl. Die Erlacher Höhe hat sich um die Lieferung von zertifiziertem Öl gekümmert. Der Round Table on Sustainable Palm Oil (www.rspo.org) bemüht sich darum, dass kein Raubbau getrieben wird und soziale Standards eingehalten werden.“
Sie ersehen daraus, dass sich die Verantwortlichen der Erlacher Höhe, als Eigner und Betreiber des Blockheitzkraftwerks, der Problematik durchaus bewusst sind und sich auch hierbei um eine verantwortungsbewusste Vorgehensweise bemühen.
mfG
Jäger
Gerhard Zirkel schrieb:
11 Januar 2008 at 10:42.
Sehr geehrter Herr Jäger,
vielen Dank für Ihre rasche Antwort und die Weiterleitung meiner Anfrage.
Was das zertifizierte Palmöl angeht, mag es ja sein, dass sich darum bemüht wird, bei der Gewinnung des Palmöls keinen Raubbau zu betreiben. Die Realität sieht allerdings anders aus. Es wird definitiv Raubbbau betrieben, denn bei steigendem Bedarf an Palmöl vergrößern sich auch zwangsläufig die Anbauflächen.
Und vergrößerte Anbauflächen ziehen verkleinerte Regenwaldflächen nach sich. Ob der nun in “legalem” Rahmen abgeholzt wird oder nicht, spielt für das Ökosystem und die Bewohner keine Rolle.
Zum Thema rspo:
Laut Angaben von Greenpeace hat der Konzern Unilever den Vorsitz des RSPO inne. Dieser verbraucht selbst jährlich 1,2 Millionen Tonnen Palmöl. Insgesamt verwenden die Mitglieder der RSPO 40 Prozent des weltweit produzierten Palmöls und sind teilweise in die illegale Rodung von Waldgebieten verstrickt. Ob solche eine Organisation geeignet ist, die Verwendung von Palmöl zu rechtfertigen bleibe einmal dehingestellt.
Gerhard Zirkel
Thomas schrieb:
12 Januar 2008 at 12:29.
Ein wirklich guter Beitrag. Leider ist das Palmöl kein Einzelfall, wenn sicher auch ein extremes Beispiel. Auch in anderen Bereichen, vor allem bei der Erzeugung von Biosprit, treiben die Subventionen seltsame Blüten. Besonders bedenklich wird es, wenn große Mengen konventioneller Energie erst verbraucht werden, um Biosprit zu erzeugen. Dank den Subventionen nützt es dann dem Erzeuger, der Umwelt nützt es gleichwohl nicht.