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18 Januar 2008

Biosprit – zu langsam kommt die Vernunft

Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Deutschland .

 

Die Lebensmittelpreise explodieren, riesige Regenwaldflächen werden brandgerodet. Und das nur, damit wir weiterhin mit ruhigem Gewissen Treibstoff und Energie verschwenden können.

Da mittlerweile jeder mitbekommen hat, dass es mit unserem Lebensraum nicht zum Besten steht, man sich aber auch nicht im Geringsten einschränken möchte, kam man schon vor einiger Zeit auf die Idee, Treibstoff aus Pflanzen zu gewinnen.

Prinzipiell ein löblicher Ansatz, erzeugt pflanzliches Material bei der Verbrennung nur so viel CO2, wie es vorher aufgenommen hat. Mal abgesehen von den restlichen Schadstoffen die bei einer Verbrennung entstehen und über die man lieber schweigt, verursacht der intensive Anbau der Biosprit-Pflanzen eine ganze Menge Probleme.

Die Artenvielfalt auf den Feldern geht zurück, riesige Monokulturen entstehen. Um diese stabil zu halten sind gewaltige Mengen an Chemikalien notwendig. Die Gentechnik tut dann ihr Übriges.

Die Bundesregierung hat sich hohe Ziele gesetzt. Bis 2020 soll ein Fünftel unseres Benzins aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Da wir in Europa aber nicht annähernd genug Fläche haben um diese Mengen anzubauen, läuft dieser Plan auf den Import von Palm- und Sojaöl oder Ethanol hinaus.

Gerade zur Produktion dieser Importrohstoffe werden riesige Waldflächen brandgerodet, die Bewohner zwangsumgesiedelt oder getötet. Die Flächen werden entwässert, das verbliebene Wasser durch Chemikalien vergiftet. Letztendlich schaden diese Treibstoffe der Umwelt mehr, als sie ihr jemals nützen können.

Immerhin hat es mittlerweile auch die EU mitbekommen, EU-Umweltkommissar Stavros Dimas gab zu, dass die Erzeugung von Pflanzensprit größere Folgen für die Biodiversität habe als bislang gedacht und auch soziale Probleme verursache.

Zusätzlich zu der Umweltzerstörung steigen die Lebensmittelpreise an. Denn immer weniger Flächen werden zur Lebensmittelproduktion genutzt, der Anbau von „Energiepflanzen“ bringt kurzfristig größere Gewinne.

Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen derart maßlos in spritfressende Fahrzeuge zu pumpen macht keinen Sinn. Besser wäre es, sich zuerst auf den Anbau von Lebensmittel zu konzentrieren und den Rest der Flächen zum Anbau von Biomasse zur Strom- und Wärmeerzeugung einzusetzen.

Denn die steigende Beimischung in Treibstoff für Fahrzeuge verhindert letztendlich nur die längst fälligen Bemühungen, Fahrzeuge sparsamer zu machen und den Individualverkehr allgemein zu reduzieren. Aber um das zu kapieren müsste das deutsche Volk umdenken und das mit dem Denken ist hierzulande so eine Sache … „freie Fahrt für freie Bürger“, man kennt diesen Schwachsinn ja.

Zudem werden vorhandene Ressourcen noch längst nicht ausgenutzt. Beispielsweise werden bislang nur etwa 10% der vorhandenen Gülle genutzt, obwohl diese sich schon lange zu Energie machen lässt.

Auch arbeiten bestehende Kraftwerke oftmals nicht effizient. So wird oftmals nur Strom erzeugt, ohne die dabei anfallende Wärme zu nutzen.

Gerhard Zirkel

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Ein Kommentar bis jetzt...

Gerhard Moedinger schrieb:

11 Februar 2008 at 19:50.

Mehr als 40 Jahre sind vergangen, seit der Club Of Rome erstmals die Problematik der Grenzen des Wachstums einer breiteren Öffentlich bekannt gemacht hat. Richtig bewußt geworden sind sie weltweit leider den wenigsten Politikern, die einfache Bevölkerung wird sowieso im Unklaren gelassen. “Freie Fahrt für freie Bürger” klingt ja auch besser als z.B. “Manchmal ist weniger mehr”. Diese ganzen unkoordinierten Schraubereien an mal diesem, mal jenem Parameter des in seiner Komplexität vom Menschen noch gar nicht verstandenen Ökosystems namens Erde ist letztlich doch nichts als der Versuch von Lobbyisten, eine Nische für ihre gewinnsüchtige Klientel in der wachstumsbesessenen Marktwirtschaft zu verschaffen.
Eine Lösung für die Zukunftsprobleme wird es wohl nicht geben, da die Welt getreu dem Motto “Der
Klügere gibt nach” offensichtlich von Dummköpfen regiert wird und auch die sogenannten Experten
meist eher ihrer Eitelkeit frönen als zu versuchen, in eindringlicher Geschlossenheit die Verant-
wortlichen wachzurütteln.
Der Mensch muß wohl als der gescheiterte Versuch der Evolution gelten, aus einem Affen einen Gott zu machen.
Vielleicht klappt es ja anderswo im Kosmos…

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