27 Januar 2008
Regenwaldvernichtung nimmt dramatisch zu
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Südamerika .
Zu früh gefreut hatte sich die brasilianische Regierung als sie erst vor wenigen Monaten den Rückgang der Urwaldzerstörung in den Jahren 2005 bis 2007 gefeiert hatte. Um das zu erreichen wurden Schutzgesetze erlassen und mehr Kontrollen durchgeführt.
Ende 2006 wurde das größte Urwaldschutzgebiet der Erde mit einer Fläche von 16 Millionen Hektar geschaffen, halb so groß wie Deutschland.
Dennoch hat die Zerstörung in den letzten Monaten wieder dramatisch zugenommen. Laut Angaben der brasilianischen Regierung stieg die monatlich zerstörte Fläche von 234 Quadratkilometern im August 2007 auf 948 Quadratkilometer im Dezember. Alleine in diesem kurzen Zeitraum sind rund 3.300 Quadratkilometer Regenwald vernichtet worden.
In nur einem Monat werden also Flächen gerodet, die größer sind als die Stadt Hamburg. Das ist eine Vernichtungsgeschwindigkeit wie sie nie zuvor beobachtet wurde. Alleine in der zweiten Hälfte 2007 wurde eine Waldfläche gerodet, die größer ist als das Saarland.
Nach dem Grund für diesen Anstieg muss man nicht lange suchen. Gerodet wird für Sojaplantagen und Rinderfarmen. Die weltweite ungehemmte Gier nach Soja und Fleisch treibt deren Preise in die Höhe und macht den Anbau lukrativ.
Es verwundert also nicht, dass das Zentrum der Zerstörung in der Provinz Mato Grosso liegt, einem der Hauptanbaugebiete für Soja und Fleisch. Etwa 54 Prozent der Entwaldung findet allein dort statt, gefolgt von Pará und Rondonia.
In den letzten Jahren gaben die Preise für Soja und Fleisch stark nach, was den Rückgang der Zerstörung zwischen 2005 und 2007 erklärt. In den letzten Monaten haben die Preise wieder angezogen und prompt fällt mehr Regenwald denn je.
Zudem drückt der derzeit ansteigende Bedarf für Biosprit auf die Gesamtfanbaufläche. Zuckerrohr zur Ethanolproduktion wird zwar weitab der Regenwaldflächen angebaut, die Viehweiden und Sojafelder die dort vorher standen, weichen dann aber auf neu gerodetes Land aus.
Seit 1970 wurden alleine im Amazonasgebiet 700.000 Quadratkilometer Regenwald vernichtet, das entspricht einer Fläche von zwei Mal Deutschland. In letzten fünf Jahren wurden Angaben der Umweltstiftung WWF zufolge jede Minute eine Fläche, 4,5 Fußballfeldern entsprechend abgeholzt.
Der Regierung ist zwar prinzipiell klar, dass es keinen Sinn macht die natürlichen Ressourcen der Erde für den Gewinn von ein paar Jahren zu opfern, die Macht der Großgrundbesitzer scheint aber bei weitem größer zu sein. So lange diese mit der Zerstörung der letzten Wälder viel Geld verdienen, wird sich nichts ändern.
Vielmehr werden die Großgrundbesitzer noch durch Kredit und Onlinekredit der Staatsbanken und durch Subventionen gefördert. Ausbaden muss es dann die Bevölkerung, die an der Bodenerosion und dem zunehmenden Trinkwassermangel leidet.
Erste Gegenmaßnahmen wurden seitens der Brasilianischen Regierung allerdings schon angekündigt. Beispielsweise sollen die Polizeieinheiten in den am stärksten gefährdeten Gebieten um 25% aufgestockt werden.
Neue Genehmigungen für Rodungen sollen nicht mehr erteilt werden. Agrarminister Reinhold Stephanes ist der Ansicht, dass für Soja und Viehproduktion genug freie Flächen zur Verfügung stünden. Ob diese Maßnahmen allerdings Wirkung zeigen, bleibe dahingestellt. Geld und Macht waren schon immer stärker als halbherzige Regierungsmaßnahmen.
Gerhard Zirkel
Stichwörter: Brandrodung, Brasilien, regenwald, Rinder, Rodung, Soja, Südamerika, ViehÄhnliche Artikel:
3 Kommentare bis jetzt...
Till M schrieb:
9 März 2009 at 13:10.
so ein sch… !!! Wann hört dieses sinnlose Fällen der Regenwälder endlich auf ? !!!!!!!!!!!!
Gerhard Zirkel schrieb:
9 März 2009 at 13:15.
Nun, realistisch ausgedrück: Wenn der letzte Baum gefällt ist – ich nehme nicht an, dass die Menschen vorher mit dem Denken beginnen werden.
Was nicht heißt, dass wir nicht weiterhin dagegen kämpfen sollten.
Gerhard
Den Wald retten – bis 2020? « Tempel der Gaia schrieb:
18 Oktober 2009 at 21:16.
[...] Regenwaldvernichtung nimmt dramatisch zu (Artikel von Gerhard Zirkel auf seinem Waldblog am 27.1.2008) [...]