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18 Februar 2008

Jatropha, Das Mauerblümchen unter den Biospritpflanzen

Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Meldungen aus aller Welt .

 

Mittlerweile kommen die herkömmlichen Biospritpflanzen immer mehr in Verruf, allen voran Zuckerrohr aus Brasilien und Palmöl aus Indonesien. Die Zeit scheint also reif für geeignete Alternativen. Eine könnte die Jatropha-Frucht sein.

Jatropha gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Ihr Name leitet sich von den griechischen Worten für Arzt (Iatros) und Ernährung (Trophe) ab und weist auf die medizinische Nutzung der Pflanze hin. Jatropha-Sträucher sind je nach Art immergrün oder werfen ihr Laub ab. Es gibt Strauchförmige Vertreter und Baumartige. 175 Arten sind bislang bekannt.

Beheimatet sind sie weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten, von Amerika über Afrika bis Madagaskar. Angebaut wird sie mittlerweile auch in Asien.

Aber nicht die medizinische Nutzbarkeit macht sie momentan interessant, sondern die Tatsache, dass ihre Früchte 25 bis 35 Prozent Öl enthalten. Zudem ist die Pflanze äußerst genügsam und wächst auf Ödland, dass landwirtschaftlich nicht genutzt werden kann.

Das Öl ist mit 60 Oktan (Raps hat lediglich 30 bis 40) sehr gut zur Produktion von Biodiesel geeignet und eines der effektivsten Bioöle der Welt. Bislang fand die Pflanze kaum Beachtung, obwohl ihr hoher Ölanteil schon lange bekannt ist. Es war nur unrentabel sie anzubauen, der Mineralölpreis war einfach zu niedrig.

Das hat sich in den letzten Jahren geändert, weshalb Großunternehmen wie Daimler, BP und Bayer Millionen investieren um die Pflanze in großem Stil nutzbar zu machen. Erste Studien haben bereits eine gute Eignung in Dieselfahrzeugen ergeben.

Ein Joint-Venture zwischen BP und dem britischen Bio-Dieselproduzenten D1 Oils will nun 160 Millionen US-Dollar investieren und im südlichen Afrika, Südostasien und Indien erste Plantagen aufbauen. In vier Jahren soll eine Fläche von 1,17 Millionen Hektar bebaut sein, danach sind weitere 300.000 pro Jahr geplant.

Obwohl in die kommerzielle Verwertung noch viel Geld investiert werden muss, setzt man große Hoffnungen auf den neuen Energieträger. Die Pflanze ist sehr genügsam und gedeiht auf Böden mit sehr geringer Qualität. Sie soll demnach nicht in Konkurrenz mit Nahrungsmittelpflanzen treten.

Auf Madagaskar wird sie sogar eingesetzt um degradierte Waldflächen wieder herzustellen. Freilich nicht mit Wald, sondern mit Jatropha.

Gerhard Zirkel

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2 Kommentare bis jetzt...

Klaus-Martin Meyer schrieb:

20 April 2010 at 18:47.

zwei jahre später kann aus meiner sicht nicht mehr von einem mauerblümchen gesprochen werden. zwar sind sicher auch die einen oder anderen wunderpflanzen-illusionen geplatzt, aber die diversen börsengänge von jatropha-companies haben gezeigt, dass investoren der pflanze einiges zutrauen.

Gerhard Zirkel schrieb:

20 April 2010 at 18:57.

Die Investoren schon. Leider hat sich mittlerweile auch herausgestellt, dass man sogar mit Jatropha Landstriche verwüsten und Menschen in die Armut treiben kann.

Gerhard Zirkel

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