16 März 2008
Planet der Wälder – Die grünen Paradiese der Erde
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Allgemein .
Schon das Vorwort von Rüdiger Nehberg gibt einen Vorgeschmack darauf, was einen in diesem Buch erwartet.
Zum einen die beeindruckende Darstellung der letzten noch intakten Wälder dieser Erde und zum Anderen die Verurteilung der hemmungslosen Zerstörung derselben durch uns Menschen.
Sieben große Urwaldregionen sind heute noch übrig, vom einstigen Bewuchs unseres Planeten mit Wald. Der Rest wurde abgeholzt oder in ökologisch nutzlose Plantagen verwandelt.
Der Fotograf Markus Mauthe machte sich in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit Greenpeace auf, die verbliebenen Urwälder mit der Kamera zu dokumentieren. Das vorliegende Buch ist eines der Ergebnisse dieses Unterfangens.
So sind es auch in erster Linie die Bilder die das Buch so wertvoll machen. Der Text ist lediglich Beiwerk – man kann ihn Lesen, man kann aber auch nur die Bilder auf sich wirken lassen.
Die Bergwälder Patagoniens
In Patagonien befindet nicht unbedingt das Waldgebiet mit der größten Aufmerksamkeit in den Medien. So verbinden die meisten Menschen mit diesem Landstrich eher Felslandschaften und Grassteppen als Regenwälder.
Dennoch gibt es westlich der Anden und in ihnen selbst weit reichende Waldgebiete mit gewaltiger Artenvielfalt. Südbuchen, Flechten, Moose, Araukarienwälder gibt es dort, sowie Wälder in ungewöhnlicher Nähe zu Gletschern. Am Perito-Moreno-Gletscher beispielsweise. Genauso reichhaltig wie die Flora ist auch die Fauna des Gebietes.
Nichts von alldem hielt allerdings die Papierindustrie davon ab, sich auch hier ungehemmt zu bedienen. Ausgeforstet wird, wenn überhaupt, nur mit Eukalyptusplantagen. Die wachsen zwar schnell sind aber weder dort heimisch noch bieten sie den Tieren einen Lebensraum.
Europas letzte Urwälder
Wer kennt nicht die Geschichte vom Eichhörnchen, dass noch zur Zeit der Römer ohne den Boden zu berühren von Norddeutschland bis in die Alpen hätte springen können. Ganz Europa war ein nahezu durchgehender Wald.
Durch Besiedelung und Landwirtschaft entstand das, was wir heute kennen. Ackerland mit vereinzelten Baumplantagen. Nur noch wenige unberührte Waldgebiete gibt es noch in Skandinavien oder Russland.
Bislang sind nur ganz wenige davon geschützt, unterliegen also der Gefahr ebenfalls abgeholzt zu werden. Das würde die dort noch bestehende Artenvielfalt zunichte machen.
Das grüne Herz Afrikas
Auch in Afrika gibt es riesige Urwaldgebiete, das Kongobecken beispielsweise. Hier leben unter Anderem die nächsten Verwandten von uns Menschen, die Gorillas. Neben Waldgiraffen, Waldelefanten und Leoparden.
Dennoch werden derzeit rund 50 Millionen Hektar Urwald von den Holzunternehmen bedroht, Hauptziel der Exporte ist Europa. Den Menschen dort bleibt nach jahrelangen Kriegen gar nichts anderes übrig als das einzige was sie noch haben zu Geld zu machen, den Wald. Hier wäre die Regierung gefragt.
Die Taiga Sibiriens und des Amur
Ebenfalls recht wenig im Bewusstsein der Menschen ist das riesige Waldgebiet in Sibirien und dem fernöstlichen Russland, die Taiga. In ihrer Ausdehnung ist die Taiga sogar noch größer als der Amazonaswald, gleichzeitig liegen hier die statistisch kältesten Orte der Erde.
Aufgrund des harten Klimas ist sie nicht so artenreich wie andere Waldgebiete aber nicht weniger empfindlich und schützenswert. Elche, Hirsche, Wölfe, Bären leben dort neben Milliarden von Kleinlebewesen. Besonders bedroht ist der viel gejagte Amurtiger, der heute fast ausgestorben ist.
Nichts desto trotz ist auch hier die Papierindustrie zugange um uns Menschen mit billigem Papier für sinnlose Produkte zu versorgen.
Die Paradieswälder Südostasiens und Ozeaniens
Wer kennt das Teakholz nicht? Vom Gartenstuhl bis zum Bootsdeck werden eine Menge Gegenstände daraus gefertigt. Weil es stabil, verrottungsresistent und schwer entflammbar ist – neuerdings einfach nur billig.
Es stammt ursprünglich auch Südostasien, wird heute aber in Plantagenform auch andernorts angebaut. Diese Plantagen sind nicht unbedingt die bessere Alternative, stehen auch sie auf ehemaligem Regenwald und stellen keinerlei Lebensgrundlage für Menschen und Tiere der Region dar.
Speziell auf Sumatra und Borneo befinden sie die letzten größeren Waldgebiete der Gegend, nicht mehr lange wenn es so weitergeht mit Brandrodung und Biospritanbau.
Die Urwälder Nordamerikas
Entlang der gesamten Westküste von Vancouver bis nach Alaska verläuft der größte Küstenregenwald und der größte Regenwald außerhalb der Tropen.
Noch heute leben im Regenwald Nordamerikas Grizzlybären, Schwarzbären und die seltenen weißen Schwarzbären die Kermodebären. Riesige Bäume stehen hier, viele über 1000 Jahre alt.
In den Flüssen und Seen gibt es einen gewaltigen Fischreichtum, berühmt sind vor allem die Lachse, die zum Laichen die Flüsse hinauf ziehen und dort von den Bären schon erwartet werden.
Die Regenwälder Amazoniens
Der wohl bekannteste Regenwald befindet sich im Becken des Amazonas in Südamerika. Diese Wälder dürften auch mit Abstand die verregnetsten sein. Während der Regenzeit fällt ständig Wasser vom Himmel, während der Trockenzeit nur einmal am Tag. Diese Wälder bevorraten rund 20% allen Süßwassers der Erde, ausgenommen die Arktischen Eismassen.
Die meisten der dort beheimateten Tier- und Pflanzenarten sind noch nicht einmal entdeckt, geschweige denn erforscht worden. Nicht einmal ihre Anzahl lässt sich schätzen. Teils stehen auf einem Hektar 500 Baumarten beieinander, mehr als es in Europa überhaupt gibt.
Wälder in Gefahr
Die vorhergehenden Absätze deuteten es ja schon an, die letzten Wälder sind in akuter Gefahr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass nur noch ein Fünftel der Urwaldgebiete existiert.
Die Gründe für die Waldvernichtung sind unterschiedlich. Vor einigen Jahrhunderten, als vor allem der Europäische Wald vernichtet wurde, geschah das um Platz zu schaffen für eine sich rasch vermehrende Bevölkerung.
Heute leidet der Wald unter Papierkonzernen, die ihn kurzerhand häckseln, unter Holzkonzernen die für unsere billigen Gartenmöbel sorgen, für Biospritplantagen um unsere fetten Autos zu betanken und nicht zuletzt an unserem Fleischhunger. Denn Rinder brauchen viel Weideland und das ist speziell in Südamerika billig zu haben. Man muss nur ein Feuer legen.
Das Buch veranschaulicht deutlich das Ausmaß der Zerstörung, nicht ohne auf Lösungen aufmerksam zu machen. Lösungen zu denen jeder Einzelne etwas beitragen kann.
Fazit
Wie Eingangs schon erwähnt sind es vor allem die atemberaubenden Bilder, die einem auf den ersten Blick vermitteln warum die letzten Wälder schützenswert sind. Zwar wird auch dieses Buch wieder nur von Menschen gelesen werden, die sich ohnehin schon für die Thematik interessieren – der Rest der Menschen bleibt außen vor.
Aber vielleicht macht es ja nur ein paar Leute zusätzlich auf die gewaltigen Probleme aufmerksam, die vor allem wir mit unserem ungebremsten Konsumverhalten auslösen.
Markus Mauthe – Planet der Wälder
Die grünen Paradiese der Erde
2007. 204 Seiten, ca. 330 Abbildungen
Format 29,7 x 24,0 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
€ [D] 39,90; € [A] 41,10; SFr 63.-
ISBN-13: 978-3-7658-1668-0
Gerhard Zirkel
Stichwörter: Buchtipp, Planet, regenwald, Wald, WälderÄhnliche Artikel:
Ein Kommentar bis jetzt...
Buchtipp: Regenwald von Thomas Marent » Von Gerhard Zirkel » Der Waldblog schrieb:
2 April 2008 at 06:32.
[...] ich erst kürzlich das Buch Planet der Wälder vorgestellt habe, nun eine weitere wunderschöne Dokumentation der Schönheit und Vielfalt [...]