19 März 2008
Das echte Dschungelcamp – Teil 5
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Annette in Costa Rica .
Heute kann ich etwas ausführlicher berichten, als es die letzten Tage möglich war. Wenn ich von der Eyelash (richtige Übersetzung: Augenwimper… nicht Augenbrauen… ) Viper als dem ersten richtigem Regenwaldtier geschrieben habe, meinte das natürlich nur flugunfähige.
Denn Vögel gab es von Anfang an so viele, dass man schnell den Überblick verloren hat… dennoch, hier eine kurze Aufzählung, für die Vogelliebhaber unter Euch: auf der Fahrt von San Jose nach Carara (das waren die vielen Kuhweiden) wurden wir permanent von Rotkopfgeiern verfolgt, ist aber erfreulich, weil diese Art wohl immer rarer wird.
An der Station am Rand des Carara Nationalparks dann (da wo der Ozelot mich verfolgt hat..): Kolibris… ich denke blau, aber die sind ja so winzig und halten nie still… Blumen gibt es interessanterweise recht wenige und die, welche zu sehen sind, haben meist leuchtend orangefarbene Blüten… Besonders auffällig ist die Blume mit dem klangvollen Namen: ‘Kuss einer Hure’. Die riesigen, blauen Morphusfalter gaukeln träge umher…
In Potenciana, das ist das höher gelegene Gebiet mit der Viper, ebenfalls in der Nähe des Carara Nationalparks, konnten wir Webervogelnester samt Baumeister ausmachen. Seltsam ist deren Gesang- John bemerkt treffend es klingt, als wären sie unter Wasser. Auf Wades Farm bei San Isidor bekommen wir dann endlich einen Ara (Scarlet Macao) zu sehen- die Waldpflanzungen sollen schließlich zu dem Erhalt seiner Art und der seines verwandten, dem Soldatenara beitragen… – nur ist dieser hier ein mehr oder weniger zahmes Exemplar…
Wade beherbergt auf seiner Farm jede Menge Wildtiere, die illegal als Haustiere benutzt wurden und jetzt etwas aus der Art schlagen. Das Highlight ist ein kleines Totenkopfäffchen, das seine Ernaehrungsgewohnheiten langsam von Reis mit Bohnen auf Heuschrecken umstellen sollte. Ob die Tiere jemals wieder in die Natur entlassen werden können ist ungewiss, aber einen Versuch ist es mit Sicherheit wert.
Neben den Wildtieren gibt es auf der Farm auch jede Menge legale Haus- und Nutztiere, angefangen von vier Hunden über Waschbären und Agutis bis hin zu einem kleinen Kalb. Hier der link: www.finca-pasiflora.org
Genug mit Sightseeing, heute wird gearbeitet… mit zwei Göttinger Forststudenten, den Dos Philippos, besichtige ich eine verwilderte Fläche, auf der ein Nutzwald entstehen wird, der den ansässigen Siedlern als Nahrungs- und Einkommensquelle dienen soll.
Die Fläche ist dicht bewachsen, nur leider nicht mit Bäumen und es wird ein hartes Stück Arbeit diese soweit zu räumen, dass dort Bäume gepflanzt werden können…

Mein Vorschlag alles erstmal abzufackeln wird schnell wieder verworfen, denn dann würden bereits eingeflogene Keimlinge zerstört. Na ja, die Jungs schlagen bereits bei der Begehung der Fläche kräftig mit der Machete um sich, das wird dann schon werden.
Die Arbeitskraft wird ohnehin kostenfrei von den Dorfbewohnern zur Verfügung gestellt werden, einziger Knackpunkt ist das Fällen und Zuschneiden der abgestorbenen Bäume (Reste einer unprofessionellen Pflanzung mit einer afrikanischen Baumart), um daraus Zaunpfähle zu gewinnen.
Hier muss ein Profi mit einer Motorsäge ran, denn sonst müssten die Pfosten erst teuer eingekauft werden.
Wade klärt uns darüber auf, dass die Lohnkosten in CR für bestimmte Arbeiten vorgegeben sind… – ob sie auch gezahlt werden steht allerdings auf einem anderen Blatt.
Spätabends berechnen wir dann noch mit Wade die Materialkosten für den Zaunbau, der aus Spendengeldern finanziert werden soll.
Die erste Spende machen die beiden Philipps und überlassen ihr Auto in halbwegs fahrbaren Zustand den Dorfbewohnern, damit diese ihre Waren zu den Dorfmärkten transportieren können.
Hasta Luegos
Annette
www.pro-regenwald.de