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5 April 2008

Das echte Dschungelcamp – Teil 12 – Zecken

Geschrieben von Gastautor in Kategorie: Annette in Costa Rica .

 

Dank Nela kann ich mittlerweile immerhin die von den Volunteers gepflanzten Bäume nach und nach identifizieren, nur manchmal kommt es zu Verwechslungen wie beim Gallinazo. Das Bäumchen, das hier in der Ebene gepflanzt wird hat mit dem meterdicken Stamm auf dem Grundstück der Klars in ca. 500 m Höhe nichts zu tun. Das wär ja auch viel zu einfach, wenn man sich nur an dem spanischen Namen orientieren könnte.

Das Ehepaar Klar stellt der Uni Wien ihre Finca für landwirtschaftliche Versuche zur Verfügung. Hier soll eine Modellfarm entstehen, auf der auf kleinstem Raum mittels Kompostierung von Kuhdung und anderen Hilfsmitteln eine Lebensgrundlage erwirtschaftet werden kann, so dass der angrenzende Bergregenwald von Eingriffen verschont bleibt.

Nach dem Besuch einer weiteren Aufforstungsfläche heißt es dann auch leider schon wieder Abschied nehmen von La Gamba, denn es geht wieder nach Panama.

Das mit dem schönen Panama muss ich leider wieder zurücknehmen bzw. relativieren. Nach einer 7-stuendigen Fahrt quer (bzw. auch längs durchs Land) bis nach Panama City ohne ein einigermaßen zusammenhängendes Waldstück ist schon bitter. Dazu jede Menge Slash & Burn, wie man schon von Weitem sieht.

Es gibt schon ein paar Schutzgebiete, diese liegen allerdings weit im Osten und am Kanal, wo ich mich derzeit befinde. Nach einer längeren Bus- und Schiffsfahrt erreiche ich Barro Colorado Island, auf dem vom Smithonian eine Forschungsstation betrieben wird. Ein Eldorado für Zoologen und andere Naturbegeisterte – alle 50 Meter stößt man im Wald auf kleine Häuschen, Blattauffangnetze, Stäbe für Markierungen usw. und oft erschließt sich dem Außenstehenden der Zweck der Versuchsaufbauten nur schwer…

Zum Glück bin ich mit Sonja unterwegs, die ich besuche und die hier schon seit zwei Monaten auf der Suche nach Fledermäusen ist. Tagsüber können wir sie nur riechen, aber das macht nichts, denn die Arten die sie fängt, ernähren sich in erster Linie von Feigen und so halten wir während des Waldspaziergangs auch nach reifen Feigenbäumen Ausschau, die bald beerntet werden können.

Zum Glück hat sie eine Karte, auf der die Bäume bereits eingezeichnet sind, denn so manches Mal wissen wir nicht so recht, ob es sich tatsächlich um eine Feige handelt. Ein Fernglas ist zur Baumerkennung unerlässlich und nebenbei kann man damit auch die frechen Kapuzineraffen beobachten, die sich nach Wurfgeschossen umsehen, mit denen sie neugierige Wanderer möglichst rasch wieder loswerden können.

Dabei stellen sie sich glücklicherweise etwas ungeschickt an und fallen vor lauter Eifer fast von dem Ast, auf dem sie sitzen, so dass wir unversehrt davonkommen.

Faultiere gibt es hier angeblich auch, Sonja kennt sie aber auch nur vom Hörensagen, denn leider sind sie, wieder Namen schon sagt sehr faul und unbewegliche Tiere sind nur schwer auszumachen. Ich habe noch etwas mit dem Fernglas zu kämpfen, denn das Anvisieren von den Affen ist ungleich schwieriger als das von den Feigenblättern, aber dank Sonjas Anleitung und mit etwas Übung entdecke ich sogar eine kleine Echse im losen Laub.

Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?? Bei einem flüchtigen Blick auf meine Hose bekomme ich einen Riesenschreck- sie ist geradezu übersät von Zecken, die hier allerdings weniger für Borreliose, sondern für die Übertragung des Rocky Mountain Fleckfiebers bekannt sind.

Ab diesem Zeitpunkt kann ich unseren Ausflug leider nicht mehr so recht genießen und schwöre mir nichts mehr vom Boden aufzuheben. Aber bei der nächsten ungewöhnlichen Frucht ist der Schwur schon wieder vergessen und am Ende der Tour zähle ich 40 Garrapatas.

In kurzer Zeit werde ich zum Zeckenentfernprofi… NICHT DREHEN!!! Ansonsten gibt es hier wie auch in anderen Waldgebieten eine unangenehme Milbe, deren Larven sich unter der Haut entwickeln- davon spürt man angeblich nichts, es hinterlässt aber hässliche Narben. Mit festem Schuhwerk kann man sich angeblich dagegen schützen.

Morgen werde ich dann wohl doch zur Chemiekeule greifen müssen, was bisher nicht nötig war.

Hasta Luego
Annette
www.pro-regenwald.de

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