7 April 2008
Das echte Dschungelcamp – Teil 13 – noch mehr Zecken
Geschrieben von Gastautor in Kategorie: Annette in Costa Rica .
Gestern bin ich mit Sonja wieder durch die Wälder gestreift…
Es ist wirklich so ganz anders als in La Gamba, denn hier hat die dort langersehnte Trockenzeit schon seit langem eingesetzt und im Wald herrscht fast Herbststimmung- bei jedem Tritt raschelt das trockene Laub und niemand, auch kein Puma, kann lautlos durch den Wald schleichen.
Denn man muss nur in die Richtung schauen, aus der es raschelt. Am Boden sind es meistens Reptilien oder Agutis, die hier so häufig auftreten wie andernorts Kaninchen (allerdings ohne lange Ohrwaschel und unschuldigen Kulleraugen Ich glaube daher auch nicht, dass das hier ein Kosename ist).
Vielleicht sollte ich den Wald hier aber lieber mit unseren Wäldern im Frühjahr vergleichen, Blumen blühen zwar keine, dafür aber die Bäume, oft im Anschluss an den Laubabwurf Das bekommt man wiederum nur mit, wenn man auf den Boden schaut, der an manchen Stellen mit blauen, weißen oder roten duftenden Blüten übersät ist, die vom Wind herabgeweht wurden.
Für die gelben Tabebuia Blüten bin ich ein bisschen zu spät dran. Ein großer Teil des Waldes auf der Insel ist gar nicht so alt, wie man glauben könnte, sondern ist erst mit dem Bau des Panamakanals und der Gründung des Forschungszentrums (http://www.stri.org/english/visit_us/barro_colorado/index.php) entstanden.
Die Feigenbäume zum Beispiel haben riesige Stammdurchmesser und scheinen mindestens 500 Jahre alt zu sein, dabei handelt es sich um Pionierbaumarten (vergleichbar mit unseren Birken oder Weiden), deren Lebenspanne bei ca. 100 Jahren liegt. Viele der in den 30er Jahren kartierten Feigen sind auch schon abgestorben und so werden sich die Fledermausarten, die sich darauf spezialisiert haben, bald ein neues Revier suchen müssen.
Es sei denn, die finden einen geeigneten Platz ohne Konkurrenzbaumarten, an dem sie die Feigensamen “aussäen” können. Sonja und ich finden ein besonders schönes Exemplar, das auch schon reife Früchte abgeworfen hat und sammeln diese fleißig ein. Ungewollte Unterstützung bekommen wir dabei von den Brüllaffen, die uns mit Zweigen bewerfen, an denen die Feigen hängen. Einer versucht tatsächlich auf uns zu scheißen, was ihm aber nicht gelingt.
Im Gegensatz zu gestern war es heute richtiggehend laut im Wald, die Brüllaffen scheinen sich ein paar Revierkämpfe geliefert zu haben (mittels Brüllen), man könnte meinen, dass man sich in einem Wohnviertel mit besonders hohem Kampfhundanteil befindet.
Dennoch hören und sehen wir auch Spechte und kleine, unscheinbare Vögel, die besonders gern die Insekten fressen, die versuchen vor hungrigen Ameisen zu fliehen. Auch Eichhörnchen gibt es hier viele, die für meine ungeübten Augen genauso aussehen wie bei uns.
Gegen Ende unseres ausgedehnten Streifzuges stoßen wir auch noch auf eine Horde Klammeraffen, nur haben wir keine Zeit mehr diese zu beobachten (wie auch die anderen würden sie früher oder später ebenfalls versuchen uns mit Stöcken zu bewerfen).


Denn wir haben Katrin versprochen ihr beim Feigensammeln zu helfen In diesem Fall heißt das konkret: am Bug eines kleinen Motorbootes zu sitzen und ins Wasser zu starren, damit wir nicht in den Baumkronen der überfluteten Bäume hängen bleiben. Hier stehen ganze Wälder unter Wasser, ideal zum Tauchen- wären da nicht die Krokodile.
Beim Feigenbaum angekommen wird dieser je nach Höhe entweder direkt von Hand oder mit einer riesigen Stange und Kescher abgeerntet. Die Feigen sind auf der Insel Gold wert, da sehr viele Forscher mit den Fledermäusen arbeiten, die ständig Hunger haben und so werden nach unserer Rückkehr die Feigen wie Aktien an der Börse gehandelt und getauscht (es gibt verschiedene Arten und Reifegrade zu ergattern).

Die chemische Keule hat leider nicht gewirkt, am Ende des Tages habe ich mal wieder über 30 Zecken “gesammelt”, die besonders in der Trockenzeit zur echten Plage werden, mit der alle zu kämpfen haben. Ein Biologe bemerkte, wenn er sich im Wald schon darum kümmern würde, die Zecken, die an ihm hoch krabbeln wieder loszuwerden, dann würde er mit seiner Arbeit nie fertig werden.
Leider hilft auch die Mechanik nicht, da Sonja am Vortag kaum von Zecken belästigt wurde, hatte ich die Theorie entwickelt, dass die Viecher an den glatten Gummistiefeln nicht hochklettern können. Diese Theorie musste jedoch bereits am nächsten Tag sofort wieder verworfen werden.
Ohne feste Schuhe sollte man hier wirklich nicht rumlaufen, selbst auf den ausgebauten Wegen sitzen winzige Pfeilgiftfrösche, die oft auch nicht weg springen, denn es gibt ja auch niemanden, den sie fürchten müssten.
Bäume werden auf der Insel übrigens auch erforscht (nach meinem Geschmack kommen die vor lauter Tierforschung eh viel zu kurz, wenn man sich vor Augen hält, dass es in CR auf dem Festland ca. gleich viele Baum- wie Tierarten (ohne Insekten) gibt, so ganz genau weiß das aber eh keiner (Baume: 700 – 1500 Arten in CR, in Panama angeblich 1000 Vogelarten).
Hasta Luego
Annette
www.pro-regenwald.de