9 Mai 2008
Magroven, Stürme und tote Menschen
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Asien .
Von der rasanten Abholzung der Regenwälder hat mittlerweile jeder etwas mitbekommen. Ganz anders sieht es bei den Mangrovenwäldern aus, viele Menschen wissen nicht einmal was sie sich darunter vorstellen sollen.
Gemeint sind diese Seltsamen Bäume mit ihren riesigen Luftwurzeln, wie sie an tropischen und subtropischen Küsten vorkommen und dort teils riesige Gebiete bedecken. Mehr dazu unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Mangrove_%28%C3%96kosystem%29
Diese Küstenwälder verschwinden derzeit etwa doppelt so schnell wie der Regenwald.
Vor 20 Jahren schätzte man ihre Ausdehnung noch auf 30 Millionen Hektar, heute sind es nur noch die Hälfte, in Indien sind gar 90 Prozent davon verschwunden
So richtig interessant sind diese Mangrovengebiete vor allem als Windschutz. Nicht vor einem kühlen Lüftchen, sondern vor handfesten Stürmen, wie einer davon gerade Birma verwüstet hat.
Experten schätzen, dass ein nur 200m breiter Mangrovengürtel einem herannahenden Tsunami drei Viertel seiner Kraft nimmt. Für die Küstenbewohner ein Unterschied zwischen Leben und Tod.
Ein gutes Beispiel sind die Küstenorte Kapuhenwala und Wanduruppa in Sri Lanka, dort wo 2004 der große Tsunami seine verheerende Wirkung entfaltete. Während Wanduruppa 6000 Todesopfer beklagen musste, gab es in Kapuhenwala nur zwei.
Der einzige Unterschied zwischen den beiden Orten war, dass Kapuhenwala noch durch seinen Mangrovenwald geschützt war und Wanduruppa eben nicht mehr.
Bei den aktuellen Vorfällen in Birma verhält es sich ähnlich. Hauptsächlich Garnelenfarmen und Reisfeldern mussten die natürlichen Mangrovengürtel weichen. Das machte dem Zyklon „Nargis“ den Weg frei, er konnte nahezu ungebremst bis weit ins Landesinnere vordringen.
Bis vor wenigen Jahren wurden alleine in Birma etwa 2000 Hektar Naturgebiete pro Jahr vernichtet, bevor man langsam begann die Zerstörung zu stoppen.
Etwas Glück im Unglück ist die Tatsache, dass sich die Mangrovenwälder im Gegensatz zum Regenwald recht einfach wiederherstellen lassen. Man muss es nur tun und man muss natürlich Geld investieren.
Gerhard Zirkel
Stichwörter: Abholzung, Mangroven, regenwald, Sturm, Tsunami, zerstörungÄhnliche und weiterführende Beiträge
2 Kommentare bis jetzt...
Thialfi schrieb:
9 Mai 2008 at 19:06.
Es ist furchtbar, was der Zyklon Nargis in Burma angerichtet hat. Aber was die bescheuerten Militärs dort jetzt anrichten, emfinde ich als noch viel furchtbarer. So eine unglaubliche Ignoranz ist nur schwer zu ertragen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen doch noch zur Vernunft kommen und die Hilfskräfte mit ihrem Gerät und den Lebensmitteln endlich zu den Opfern der Katastrophe durchlassen.
Annette schrieb:
13 Mai 2008 at 10:41.
Super- bisher wird über die Schutzfunktionen von Mangroven wirklich viel zuwenig berichtet.. – und darüberhinaus spielen sie ja auch eine wichtige Rolle als ‘Kinderstube’ für Meeresfische – ausserdem können sich von einem Hektar Mangrovenwald ca. 200 Menschen ernähren – ohne diesen abzuholzen!!!
Filmtipp:
Der Garnelenring. Der Globale Supermarkt zerstört Mangrovenwälder, Artenvielfalt und Lebensgrundlage der Küstenbevölkerung. Ein Film von Dorit Siemers und Heiko Thiele, DVD/VHS, Deutschland 2005, 55 Min. Verleih: film@zwischenzeit-muenster.de
Weitere Infos:
http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/629.html