20 August 2008
Rätsel um Broschüre zur Münchner Nacht der Umwelt gelöst
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Deutschland .
mit ein wenig Verspätung kam nun doch noch die Antwort der Stadt München auf meine Anfrage zum gar zu weißen Flyer der Nacht der Umwelt:
Sehr geehrter Herr Zirkel
entschuldigen Sie bitte die verspätete Antwort auf Ihre Anfrage zu dem verwendeten Papier für
die Broschüre „Nacht der Umwelt“. Die Antwort hat sich krankheits- und urlaubsbedingt
verzögert.Ich habe mich bei der Fachabteilung nach dem Papier erkundigt, nach deren Auskunft handelt
es sich bei dem für die Broschüren verwendeten Papier um Zanders mega silk. Dieses besteht
zu 50 % aus regenerierten Fasern.Der gesammelte Ausschuss wird aus verschiedensten Herstellungsprozessen wieder verwendet, hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die ökologische und ökonomische Verwendung von Rohstoffen gelegt. 43 % des Papiers bestehen aus gebleichtem Zellstoff (ECF und TCF) und 5 % aus anderem Zellstoff.
Für Broschüren, Flyer und Plakate, die im Offsetdruck hergestellt werden, muss ein geeignetes und unbedingt matt gestrichenes Papier mit gleichmäßiger geschlossener Oberfläche verwendet werden. Deshalb wird bei der Landeshauptstadt München dieses umweltfreundliche Bilderdruckpapier aus der oben genannten Zusammensetzung verwendet.
Damit wird den Ansprüchen und Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden bei einem 4Farb-
Offset-Druck und den Bestimmungen des Erscheinungsbildes der Landeshauptstadt München
(Farbverbindlichkeit) nachgekommen. Kein auf dem Markt befindliches reines Recyclingpapier
entspricht diesen Anforderungen.Ich hoffe Sie finden in dem Programm trotzdem eine oder mehrere Veranstaltungen, die Sie
interessieren. Vielleicht haben Sie selbst auch die Möglichkeit sich an der „Nacht der Umwelt“ zu beteiligen – ich werde Sie gerne in unseren Verteiler mit aufnehmen.
Hmmm – wie man ein Papier, das teilweise mit Chlordioxid gebleicht wird (ECF) als „ökologisch“ bezeichnen kann ist mir ein Rätsel. Ebenfalls, warum es andere Druckereien sehr wohl schaffen, farbechte Flyer auf Recyclingpapier zu produzieren.
Schade, dass die Optik und vermutlich in erster Linie der Preis eines Flyers der für eine „Nacht der Umwelt“ wirbt, höher bewertet wird als der ökologische Aspekt auf den es eigentlich ankommt.
Zum Thema ECF, also mit Chlordioxid gebleichtes Papier, kann ich den Film „Das schmutzige Geschäft mit dem weissen Papier“ von Inge Altemeier und Reinhard Hornung empfehlen. Dort wird schonungslos aufgezeigt, was dieses Produktionsverfahren mit der dortigen Bevölkerung macht.
Ob sich die Stadt München jetzt dafür interessiert dass andernorts Menschen für ihre hübschen Flyer sterben, weiß ich nicht – Hauptsache das Image stimmt … !
Gerhard Zirkel
Stichwörter: München, Nacht, UmweltÄhnliche und weiterführende Beiträge
Ein Kommentar bis jetzt...
Thialfi schrieb:
20 August 2008 at 09:41.
Offenbar ist alles, auch oder gerade der Umweltschutz eine Frage des Blickwinkels. Vielleicht solltest du tatsächlich den Vorschlag annehmen und an der “Nacht der Umwelt” teilnehmen. Im Rahmen eines nette Vortrags könntest du vielleicht den etwas verschobenen Blick auf die real existierenden Umweltsauereien in München lenken und den Damen und Herren mal zeigen wo der Hammer hängt…äh, wie man farbecht bedruckte Broschüren auf 100% Recyclingmaterial finden kann, wenn man nur will.
Wer weiss, manchmal geschehen sogar in Bayern noch Zeichen und Wunder, dem Münchner im Himmel sei Dank!
Grüße aus Karlsruhe sendet Thialfi