16 Oktober 2009
Buchtipp: Tatort Wald – ein Angriff auf die Jagdlobby
Geschrieben von Gerhard Zirkel in Kategorie: Allgemein .

Fast ein Krimi der auf einer wahren Begebenheit beruht und ein paar unbequeme Wahrheiten zu den Zuständen in den Bayrischen Staatsforsten ausspricht.
Schon in den ersten Sätzen des Buches wird klar, der Deutsche liebt seinen Wand. Sowohl Förster als auch Naturschützer, Bürger, Erholungsindustrie, Hochwasserschutzexperten und sogar unsere Politiker wollen nur eines: Einen gesunden, natürlichen Mischwald der sich selbst regenerieren kann, der genug Wasser speichert, uns vor Hochwasser schützt, der eine umfangreiche und gesunde Vegetation aufweist.
So weit alles in Ordnung, wenn da nicht ein paar Leute wären die diesen Wunschtraum bislang nachhaltig und nahezu unbemerkt verhindern konnten und um genau die geht es in diesem Buch.
Geschrieben ist es als eine Mischung aus Abenteuerroman, Biografie und Fachbuch, es erzählt die Lebensgeschichte des Försters Georg Meister, der vor dem zweiten Weltkrieg geboren bald eine Menge Glück braucht um ihn lebend zu überstehen.
Aufgewachsen in einem Umfeld der Jäger, lernt er schnell was Waidgerechtigkeit bedeutet und dass es dabei ganz sicher nicht um Gerechtigkeit geht. Später kommt er dann darauf warum das so ist und dass es für die Menschheit sinnvoller wäre, das Wohl einiger Jäger hinter das Gemeinwohl anzustellen. Nur dass die Jäger meist in hohen Regierungspositionen sitzen und machen was sie wollen – Gesetze hin oder her.
So wird Meister zu einem Verfechter wirklich nachhaltiger Waldnutzung und einer der ersten Fachleute die im Wald nicht eine Hirschzuchtstation mit Holzproduktion sehen sondern ein Ökosystem das eine wichtige Lebensgrundlage für uns Menschen darstellt. Mehrfach beweist er wie es geht, einen Wald aufzubauen, der sämtliche Schutzfunktionen erfüllt und dabei wirtschaftlicher ist als die weit bekannten Monokulturen.
Nur dass sich in einem naturnahen Mischwald keine Jagdtrophäen in Form kapitaler Hirsche heranzüchten lassen, zumindest nicht in den Mengen die die Herren Beamten zur Befriedigung ihrer Jagdinteressen benötigen.
Schonungslos räumt Georg Meister während seiner Zeit als Förster mit den Argumenten der Jagdlobby auf, nicht ohne dabei immer wieder ordentlich anzuecken. So manch herben Rückschlag muss er einstecken denn die Lobby war und ist stark.
Der Autor des Buches versteht es, die spannende Geschichte Georg Meisters mit Fakten, Zahlen und Geschehnissen rund um das Thema Wald, Forst und Nachhaltigkeit in einen flüssig und zuweilen sogar spannend zu lesendes Werk zu verwandeln, welches so manchem Wald- und Jagdfreund die Augen öffnet.
Die Autoren:
Claus-Peter Lieckfeld schreibt unter anderem für GEO, Die Zeit, Merian, SZ-Magazin, National Geographic und veröffentlichte verschiedene populäre Fachbücher und historische Romane. Er ist Gründungsmitglied von Horst Sterns Umweltmagazin natur, dem er von 1981-1988 als Redakteur angehörte. Im August 2005 erschien von ihm der Expeditionsbericht Logbuch Polarstern.
Georg Meister, Dr. oec. publ., Träger des Bruno H. Schubert-Preises, entwickelte in den Siebzigerjahren für die Bayerische Staatsregierung den Nationalpark Berchtesgaden und leitete fast zwanzig Jahre das Gebirgsforstamt Bad Reichenhall. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, zuletzt erschien 2004 von ihm Die Zeit des Waldes.
Claus-Peter Lieckfeld
Tatort Wald
September 2006 248 Seiten
Format: 22,2 x 15,6 x 2,2 cm
€ [D] 19,90
ISBN-10: 3938060115
ISBN-13: 978-3938060117
Viel spaß beim Lesen wünscht
Gerhard Zirkel
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Ein Kommentar bis jetzt...
naddlinho schrieb:
22 November 2009 at 22:27.
Tolles Buch! Kann ich nur empfehlen. Räumt auf mit der naiven Vorstellung, Deutschland wäre Vorbild in nachhaltiger Waldwirtschaft. Dazu steht das, was immer noch vielerorts passiert (Kahlschlag, Wild vor Wald etc.), in krassem Gegensatz. Wer wissen will wie es aktuell aussieht, dem sei das Schwarzbuch Wald vom BUND empfohlen: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/naturschutz/20090721_naturschutz_schwarzbuch_wald.pdf